KI-Buchhaltung

Tabula oder Tess: Vorsystem gegen Buchhaltungsagent

Wo Tabula die Belegstrecke bis zur DATEV abdeckt, wo Tess im Bestand mitarbeitet und offene Posten ausziffert, und für welche Kanzlei welche Bauform passt.

Baktash Hossainzadeh··10 Minuten

Beide Anbieter versprechen, dass in der Kanzlei weniger getippt wird und dass am Ende eine Buchhaltung in der DATEV steht. Der Weg dorthin ist ein völlig anderer. Daran entscheidet sich, welcher der beiden zur eigenen Arbeitsweise passt.

Tabula ist ein Vorsystem. Belege werden dort eingelesen, ausgewertet, kontiert und als Buchungsvorschlag an das Zielsystem übergeben. Die Kanzlei bekommt eine eigene Oberfläche mit einem klar abgegrenzten Prüfschritt vor der Übergabe.

Tess wird vom Anbieter als KI-Agent beschrieben, der im Bestand mitarbeitet, ausführlicher dargestellt unter Tess im Vergleich. Beworben wird ausdrücklich, dass keine neue Buchungsmaske gelernt werden muss: Die Kanzlei korrigiert weiterhin ausschließlich in DATEV-Rechnungswesen, und daraus lernt das System.

Das wiegt schwerer als jede Funktionsliste. Es bestimmt, wo das Team nach der Einführung arbeitet und wie ein Fehler auffällt.

KriteriumTabulaTess
AnbieterDeutschlandCountful GmbH, München
BauformVorsystem mit eigener OberflächeAgent im vorhandenen Bestand
Kreditoren kontierenja, laut Anbieterja, laut Anbieter
Debitoren kontierenja, laut Anbieterlaut Anbieter über Zahlungen und Belege
Bank buchenja, mit eigener Bankanbindung laut AnbieterEinstieg über die Bankanbindung laut Anbieter
Offene Posten ausziffernim Rahmen der Belegstreckeeigener Schwerpunkt laut Anbieter, inklusive Skonto und Währungsdifferenzen
Verrechnungskonten 1370 und 1590nicht gesondert beworbenausdrücklich beworben
Fehlende Belege anforderneigener Vorgang laut AnbieterNachhaken und Dublettenprüfung laut Anbieter
Mahnwesen und Rechnungsausgangja, laut Anbieternicht beworben
Korrekturenim Vorsystem vor der Übergabeim Zielsystem laut Anbieter
ZielsystemDATEVDATEV
HostingDeutschlandDeutschland und Europa, Microsoft Azure laut Anbieter
Preise öffentlichneinnein

Der Ort der Korrektur. Bei einem Vorsystem entsteht ein zusätzlicher Arbeitsplatz, an dem geprüft wird, bevor etwas ins Zielsystem gelangt. Das ist Aufwand und zugleich eine Kontrollstelle. Bei einem Agenten entfällt der zweite Arbeitsplatz, dafür verschiebt sich die Kontrolle in den laufenden Bestand, wo sie bewusst organisiert werden muss.

Die Breite der Buchhaltungsfunktionen. Tabula deckt nach Anbieterangaben auch Bereiche ab, die über die Eingangsseite hinausgehen, darunter Mahnwesen, Sammelüberweisungen und den Rechnungsausgang. Wer diese Breite braucht, findet sie dort direkter.

Der Schwerpunkt bei den offenen Posten. Tess stellt die Auszifferung in den Vordergrund, inklusive Skonto, Währungsdifferenzen, Mahngebühren und fehlerhafter Zahlungen. In Beständen, in denen die Klärung offener Posten mehr Zeit kostet als das Kontieren, ist das der relevantere Hebel.

Für keines der beiden Systeme lagen im August 2026 öffentliche Preise vor. Ein Vergleich braucht deshalb zwei Angebote, und damit sie vergleichbar sind, müssen sie auf dieselbe Bezugsgröße gebracht werden.

In beide Angebote gehören dieselben Angaben: Zahl der Mandate, geschätztes Belegvolumen im Monat, Zahl der Bankkonten und gewünschter Starttermin. Aus den Antworten wird eine einzige Zahl gebildet, nämlich die Gesamtkosten über zwei Jahre geteilt durch die Zahl der verarbeiteten Belege.

Der Maßstab kommt aus der Handarbeit. Eine Minute je einfachem Beleg, 45 Euro Vollkosten in der Stunde: etwa 75 Cent. Bleibt ein System nach Abzug aller Nacharbeit darunter, trägt es sich. Die Systematik dahinter steht im Beitrag zu den Kosten der KI-Buchhaltung.

Belegerkennung wird in Demos gezeigt und ist selten das Problem. Die Zeit verschwindet dort, wo Zahlungen nicht sauber zu Rechnungen passen.

Fünf Fälle gehören deshalb in jeden Test. Eine Teilzahlung, die den Posten reduziert, aber offen lässt. Ein Skontoabzug, der auf das richtige Konto gebucht werden muss. Eine Sammelzahlung über mehrere Rechnungen. Eine Währungsdifferenz bei einer Fremdwährungsrechnung. Und eine Mahngebühr, die im Zahlbetrag steckt und nicht zur ursprünglichen Rechnung gehört.

Wer diese fünf Fälle bei beiden Anbietern mit denselben echten Daten durchspielt, hat ein belastbares Ergebnis. Wer nur Standardfälle prüft, vergleicht den Teil der Arbeit, der ohnehin schnell ging.

Je selbstständiger ein System arbeitet, desto genauer gehört geregelt, was es getan hat und wie sich das zurücknehmen lässt.

In beide Gespräche gehört: Ist erkennbar, welche Buchung maschinell entstanden ist. Lässt sich ein ganzer Lauf zurücknehmen, wenn eine systematische Fehlzuordnung auffällt. Und bleibt protokolliert, auf welcher Grundlage eine Zuordnung erfolgte.

Das ist keine Bequemlichkeitsfrage. Nachvollziehbarkeit verlangen die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, gleich ob eine Person oder ein Programm gebucht hat. Was daraus folgt, steht bei den GoBD-Grundsätzen.

Beide Systeme setzen voraus, dass Belege vorliegen und Kontoumsätze verfügbar sind.

Wo Mandanten Unterlagen verspätet, unvollständig oder in Papierform liefern, verbessert keines der beiden das eigentliche Problem. Der Aufwand für das Einsammeln und Nachfassen bleibt, und er ist in vielen Kanzleien größer als die Buchung selbst.

Wer das vermutet, misst es vor der Auswahl: eine Strichliste über einen Monat, getrennt nach Zeit für Beschaffung, Zeit für Kontierung und Zeit für Klärung. Fällt der erste Block am größten aus, ist die Frage nach dem Belegeingang die wichtigere, und sie führt zu anderen Kandidaten als der Vergleich zweier Buchungswerkzeuge.

Diese Fragen sind bei beiden Anbietern dieselben und trennen die Antworten schnell.

Welche Sonderfälle beherrscht das System heute, nicht in der Planung? Konkret genannt werden sollten Skonto, Teilzahlung, Sammelzahlung, Fremdwährung und Mahngebühr.

Wie viele Korrekturen sind im ersten und im dritten Monat zu erwarten? Ein Anbieter, der hier keine Bandbreite nennt, hat die Frage bei Bestandskunden nicht gemessen.

Was passiert bei einem Beleg ohne Zahlung und bei einer Zahlung ohne Beleg? Beides ist Alltag und trennt sorgfältige von oberflächlichen Umsetzungen.

Wer haftet für eine falsche Buchung? Die Antwort ist immer die Kanzlei, und deshalb ist die Prüfstrecke Teil der Auswahl.

Wie sieht der Ausstieg aus? Belege, Zuordnungen und Historie müssen exportierbar sein.

Belege einer Steuerkanzlei fallen unter die berufsrechtliche Verschwiegenheit. Der Verarbeitungsort steht deshalb vor jeder Funktionsfrage.

Tess nennt dafür Hosting auf Microsoft Azure in Europa, Rechenzentren nach ISO 27001 und ISO 27018, Verarbeitung ausschließlich in Deutschland und Europa sowie die Anonymisierung personenbezogener Daten vor dem Training. Tabula gibt Deutschland als Standort an.

In beiden Fällen gehört die Frage, ob Inhalte zum Training verwendet werden, schriftlich in den Auftragsverarbeitungsvertrag. Eine Anonymisierung macht einen Unterschied zur unveränderten Verwendung. Dokumentiert gehört trotzdem beides, mündlich zugesagt keines.

Meist stehen noch andere Namen auf derselben Liste:

Tabula ist die Wahl, wenn eine eigene Oberfläche mit klarem Prüfschritt gewünscht ist und die Buchhaltung in der Breite abgedeckt werden soll, also einschließlich Mahnwesen, Zahlungsverkehr und Rechnungsausgang.

Tess zielt woandershin. Es passt dort, wo niemand eine zweite Oberfläche lernen soll und die Klärung offener Posten den größeren Zeitanteil ausmacht. Vorausgesetzt, die Bankzugänge sind verfügbar und die Regeln zu Kennzeichnung und Umkehrbarkeit stehen vorher fest.

Preise veröffentlicht keiner von beiden. Entscheiden wird deshalb der Vergleich zweier Angebote auf derselben Bezugsgröße, geprüft an denselben echten Belegen und Zahlungen.

Häufige Fragen

Veröffentlichen die beiden ihre Preise?

Auf beiden Anbieterseiten waren im August 2026 keine Preisangaben zu finden. Für einen Kostenvergleich sind konkrete Angebote erforderlich, und sie sollten auf dieselbe Bezugsgröße gebracht werden, üblicherweise auf einen Preis je verarbeitetem Beleg über zwei Jahre.

Wo arbeitet die Kanzlei nach der Einführung?

Bei einem Vorsystem in zwei Oberflächen: dort wird geprüft und übergeben, im Zielsystem wird gebucht. Bei einem Agenten bleibt die Arbeit im gewohnten Bestand, dafür ist genauer zu regeln, was selbstständig geschehen darf und wie erkennbar bleibt, welche Buchung maschinell entstanden ist.

Welche Bauform passt bei vielen offenen Posten?

Wo Teilzahlungen, Skontoabzüge und Sammelüberweisungen den Alltag bestimmen, zählt die Qualität der Auszifferung mehr als die Trefferquote bei der Belegerkennung. Diese Fälle gehören deshalb in jeden Test, und zwar mit echten Zahlungen aus dem eigenen Bestand.

Was ist mit dem Belegeingang?

Beide setzen voraus, dass Belege und Kontoumsätze verfügbar sind. Wo Unterlagen verspätet oder unvollständig eintreffen, löst keines der beiden Systeme das eigentliche Problem, weil es vor der Buchung liegt.

Wie lange dauert es, bis ein Urteil möglich ist?

Realistisch drei Monate. Jedes System startet mit der niedrigsten Trefferquote, die es je haben wird, weil es weder Lieferanten noch Gewohnheiten des Mandats kennt. Aussagekräftig ist die Entwicklung zwischen dem ersten und dem dritten Monat, nicht der Ausgangswert.

Quellen und Stand

Stand August 2026. Alle Angaben beruhen auf den öffentlichen Darstellungen der Anbieter und können sich ändern.

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