Kanzleisoftware

Welche Software ergänzt die DATEV in der Steuerkanzlei?

Welche Werkzeuge DATEV-Kanzleien ergänzen: Mandantenportal, Belegautomatisierung, Signatur, DMS, Controlling und Zeiterfassung, mit Anbietern und Anbindung.

Baktash Hossainzadeh··9 Minuten

Kaum eine Kanzlei arbeitet ausschließlich mit der DATEV. Um das Kernsystem herum liegen Werkzeuge für die Arbeitsschritte, die dort wenig Raum haben oder die Mandanten nicht mitmachen. Hier stehen die Bereiche, in denen DATEV-Kanzleien typischerweise ergänzen, mit Anbietern, Anbindung und Preisen laut Anbieter.

Eine Ergänzung lässt die DATEV als Kernsystem stehen. Finanzbuchführung, Lohn, Jahresabschluss und Deklaration bleiben dort, das zusätzliche Werkzeug deckt einen Schritt davor oder daneben ab und gibt das Ergebnis über eine Schnittstelle zurück.

Damit fallen Komplettsysteme wie ADDISON, Agenda, Simba oder Stotax aus dieser Liste. Sie sind Alternativen zur DATEV, keine Ergänzungen, und stehen unter den Komplettlösungen für Steuerkanzleien. Ebenfalls nicht aufgeführt sind die DATEV-eigenen Zusatzprodukte, sie gehören zum Kernsystem.

Aufgenommen ist, wer laut eigener Angabe oder laut DATEV-Marktplatz über einen DATEV-Datenservice oder DATEVconnect angebunden ist. Eine Rangfolge gibt es nicht, weil die Wahl am Bestand der Kanzlei hängt und nicht an einer allgemeinen Bewertung.

BereichTypische AufgabeAnbieter (Auswahl)Anbindung an die DATEV laut Anbieter
Mandantenportal und KommunikationBelege, Dokumente, Nachrichten, Freigaben mit Mandantenkanzlei.land, milia.io, Steuerboard, TaxDome, DIGI-BEL, docunestBelegbilderservice, Rechnungsdatenservice, DMS, Unternehmen online
BelegautomatisierungBelege auslesen, kontieren, als Buchung übergebenFinmatics, GetMyInvoices, docunestRechnungsdatenservice, Buchungsdatenservice, Buchungsstapel
Digitale SignaturVerträge, Vollmachten, Berichte signierenFP Sign für DATEV, Sign Live! CC DATEV EditionDATEVconnect Dokumentenmanagement
Dokumente aus dem DATEV DMSDateien sicher an Mandanten geben und empfangenDRACOON for DATEVDATEVconnect Dokumentenmanagement
Kanzlei-ControllingAuslastung, Honorare, Kapazitäten auswertenKanzleicockpit, en[ai]bler, ingentis in.boardDATEVconnect Eigenorganisation und Rechnungswesen
Zeiterfassung und AufgabenZeiten erfassen, Aufgaben und Fristen verteilenMemtime, ingentis in.time, TaxflowDATEVconnect Eigenorganisation, Belegbilderservice

Hier ergänzen die meisten Kanzleien zuerst. Die DATEV bringt mit Unternehmen online und MyDATEV eigene Portale mit, die aber eine Anmeldung über SmartLogin oder SmartCard voraussetzen und vor allem Belege, Dokumente und die Freigabe von Steuererklärungen abdecken.

kanzlei.land konzentriert sich auf den Dokumentenkanal zwischen Kanzlei und Mandant, laut Anbieter für 98 Euro monatlich plus 698 Euro Einrichtung. milia.io organisiert die Zusammenarbeit um Vorgänge und rechnet eine Grundpauschale ab 49 Euro plus 9,90 Euro je Mitarbeiter und 2 bis 4 Euro je betrieblichem Mandat ab. Steuerboard stellt inzwischen seinen KI-Agenten in den Vordergrund, das Portal ist ein Zusatz; Portal und Agents kosten laut Anbieter 800 Euro monatlich mit 100 Mandaten. TaxDome ist ein internationales Kanzleimanagement mit Portal, abgerechnet mit 800 Euro je Nutzer und Jahr, und überträgt Dokumente an die DATEV. DIGI-BEL liefert Belege in DATEV Belege online und archiviert in das DATEV DMS, ab 150 Euro monatlich für 250 Mandantenkonten.

Welche Kriterien bei der Wahl zählen und wie sich Paketpreis, Preis je Mandant und Pauschale verhalten, steht in der Übersicht der besten Mandantenportale.

Der zweite große Bereich setzt nach dem Belegeingang an: Belege auslesen, kontieren und als Buchung an die DATEV übergeben. Die DATEV bietet dafür selbst den Automatisierungsservice Rechnungen an, der Belege aus Unternehmen online verarbeitet.

Finmatics ist ein Vorsystem für Kanzleien mit mehreren Zielsystemen, laut Preisliste ab 750 Euro netto monatlich bei jährlicher Zahlung für 3.000 Buchungszeilen plus 1.990 Euro Onboarding. GetMyInvoices kontiert nicht, sondern sammelt Rechnungen automatisch bei mehr als 10.000 Anbietern ein und reicht sie weiter, ab 19 Euro monatlich. Plattformen mit eigenem Belegeingang verbinden Portal, App, E-Mail und WhatsApp mit der KI-Kontierung nach SKR03 oder SKR04 und übergeben einen Buchungsstapel, sodass der Beleg vom Mandanten bis zur Buchung in einem System bleibt.

Die Anbieter im Detail, mit Bauform, Zielsystemen und Preisen, stehen in der Übersicht zur KI-Buchhaltung für Kanzleien.

Die Freigabe von Steuererklärungen, EÜR und E-Bilanz läuft in vielen Kanzleien bereits über MyDATEV. Für Verträge, Vollmachten, Mandatsvereinbarungen und Berichte braucht es oft eine Signatur außerhalb dieses Wegs.

FP Sign für DATEV signiert laut Marktplatz direkt aus dem DATEV DMS heraus, ab 36 Euro monatlich. Sign Live! CC DATEV Edition von procilon deckt die qualifizierte elektronische Signatur ab und ist laut Marktplatz an DMS, Bilanzbericht und Abschlussprüfung angebunden, ab 12,50 Euro monatlich. Welche Signaturstufe für welches Dokument genügt, steht in der Übersicht der Signaturlösungen für Kanzleien.

Wer das DATEV DMS als Ablage nutzt, will Dokumente von dort aus an Mandanten geben, ohne sie herunterzuladen und per E-Mail zu verschicken. DRACOON for DATEV setzt genau dort an und ist laut Marktplatz über DATEVconnect Dokumentenmanagement angebunden, ab 8 Euro monatlich.

Zu beachten ist der Zeithorizont. Laut DATEV beginnen die Arbeiten an einem Nachfolger für das DATEV DMS voraussichtlich 2027. Ein Werkzeug, das eng am heutigen DMS hängt, sollte deshalb mit der Frage nach der Weiterentwicklung gekauft werden.

Auswertungen zu Auslastung, Honorarpotenzial und Kapazität entstehen aus Daten der Eigenorganisation und des Rechnungswesens. Kanzleicockpit baut darauf ein Controlling auf Basis von Power BI für Kanzleien mit der Eigenorganisation comfort, laut Marktplatz ab 2.300 Euro einmalig. en[ai]bler wertet Kapazitäten, Auslastung und Honorarpotenziale aus, ab 149 Euro monatlich zuzüglich Umsatzsteuer. ingentis in.board liefert ein Kanzlei-Dashboard, Preise auf Anfrage.

Memtime ist eine Zeiterfassung, die laut Marktplatz über DATEVconnect an die Eigenorganisation angebunden ist, im Paket mit DATEV-Anbindung ab 20 Euro je Nutzer und Monat. ingentis in.time erfasst Zeiten direkt in der Eigenorganisation comfort. Taxflow verteilt Aufgaben an Mandanten, laut Marktplatz ab 299 Euro monatlich plus 1.490 Euro Schulung.

Mehrere Werkzeuge in dieser Liste greifen auf die Eigenorganisation comfort zu. Die wird abgelöst: DATEV Kanzleimanagement ersetzt laut DATEV die Eigenorganisation compact, classic und comfort, die Stufen basis und Kanzleimanagement sollen voraussichtlich im Oktober 2026 freigegeben werden.

Drei Punkte aus den Angaben der DATEV sind für die Auswahl wichtig. Jede Kanzlei erhält einen eigenen Umstellungszeitraum, der sechs Monate vorher mitgeteilt wird. Kanzleien mit Eigenorganisation comfort, DMS oder ProCheck werden erst umgestellt, wenn der nötige Funktionsumfang bereitsteht. Und Schnittstellen für den externen Zugriff nennt die DATEV für Kanzleimanagement voraussichtlich ab 2028.

Daraus folgt nicht, dass Controlling- oder Zeiterfassungswerkzeuge wegfallen. Es folgt aber, dass vor einem neuen Vertrag zu klären ist, wie der Anbieter die Umstellung begleitet. Werkzeuge, die über Datenservices des Rechnungswesens oder über den Belegweg angebunden sind, betrifft die Umstellung weniger.

Jede Ergänzung bringt einen Vertrag, eine Schnittstelle, einen Login und eine Stelle, an der Daten auseinanderlaufen können. Bei einem Werkzeug ist das unproblematisch, bei fünf wird die Pflege der Werkzeuge selbst zur Aufgabe.

Deshalb lohnt der Blick darauf, welche Bereiche gleichzeitig betroffen sind. Wer nur ein Controlling braucht, kauft ein Controlling. Wer Mandantenportal, Belegverarbeitung, Freigaben und Aufgabensteuerung zugleich ordnen will, ist mit einer Plattform oft besser bedient als mit vier Verträgen, sofern sie über offizielle Datenservices an die DATEV angebunden ist.

Der Datenservice. Ein Buchungsstapel oder der Rechnungsdatenservice übergibt Buchungen samt Beleg, der Belegbilderservice nur Bilder, DATEVconnect erlaubt den Zugriff auf DMS oder Eigenorganisation. Welche Variante ein Anbieter nutzt, bestimmt, wie viel Arbeit in der DATEV übrig bleibt. Was Schnittstellenanbieter von Marktplatz-Partnern unterscheidet, steht unter DATEV-Schnittstellenanbieter.

Der Rückweg. Werden Stammdaten aus der DATEV übernommen, oder müssen Mandanten, Mitarbeiter und Konten ein zweites Mal gepflegt werden?

Die Mandanten. Bei allem, was Mandanten selbst bedienen, entscheidet die Hürde bis zum ersten Upload über den Nutzen, nicht der Funktionsumfang.

Die Verschwiegenheit. Jeder Anbieter, der Mandantendaten verarbeitet, ist Dienstleister im Sinne von § 62a StBerG und muss zur Verschwiegenheit verpflichtet werden. Bei einer Verarbeitung im Ausland verlangt das Gesetz einen vergleichbaren Schutz der Geheimnisse.

Was eine Kanzleisoftware neben der DATEV grundsätzlich leisten muss, ist gesondert beschrieben.

Häufige Fragen

Welche Software ergänzt die DATEV in der Steuerkanzlei?

Typisch sind sechs Bereiche: Mandantenportal und Kommunikation, Belegautomatisierung mit KI-Kontierung, digitale Signatur, Dokumentenaustausch aus dem DATEV DMS, Kanzlei-Controlling sowie Zeiterfassung und Aufgabensteuerung. Je Bereich gibt es Anbieter, die über DATEV-Datenservices oder DATEVconnect angebunden sind. Die Buchführung, der Lohn und die Deklaration bleiben in der DATEV.

Was ist der Unterschied zwischen einer Ergänzung und einer Alternative zur DATEV?

Eine Alternative ersetzt die DATEV als Kernsystem, etwa ADDISON, Agenda, Simba oder Stotax. Eine Ergänzung lässt die DATEV als Kernsystem stehen, deckt einen Arbeitsschritt davor oder daneben ab und gibt die Ergebnisse über eine Schnittstelle zurück. Wer die DATEV behalten will, sucht eine Ergänzung.

Woran erkennt man eine gute DATEV-Anbindung?

Am Datenservice, über den die Daten fließen, und an der Richtung. Ein Buchungsstapel oder der Rechnungsdatenservice übergibt Buchungen samt Beleg, DATEVconnect erlaubt den Zugriff auf DMS oder Eigenorganisation, der Belegbilderservice liefert nur Belegbilder. Zu klären ist außerdem, ob Stammdaten aus der DATEV übernommen werden, damit nichts doppelt gepflegt wird.

Was ändert DATEV Kanzleimanagement für Ergänzungssoftware?

DATEV Kanzleimanagement ersetzt laut DATEV die Eigenorganisation compact, classic und comfort; die Stufen basis und Kanzleimanagement sollen voraussichtlich im Oktober 2026 freigegeben werden. Schnittstellen für externen Zugriff nennt DATEV für Kanzleimanagement voraussichtlich ab 2028. Werkzeuge, die heute auf die Eigenorganisation comfort zugreifen, sollten deshalb vor einem Vertrag auf ihre Kompatibilität geprüft werden.

Wie viele Zusatzprogramme sind sinnvoll?

So wenige wie möglich. Jedes Werkzeug bringt einen Vertrag, eine Schnittstelle, einen Login und eine Stelle, an der Daten auseinanderlaufen können. Sinnvoll ist eine Ergänzung dort, wo heute messbar Nacharbeit entsteht, und eine Plattform statt mehrerer Einzelwerkzeuge, wenn mehrere Bereiche zugleich betroffen sind.

Quellen und Stand

Angaben laut Anbieterseiten und DATEV-Marktplatz, Abruf Oktober 2026. Preise ohne Zusatz laut Anbieter, nicht immer als netto ausgewiesen.

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